Deutschland — ein Land, in dem Menschen eher mieten als kaufen und Kreditkarten nur schwer Fuß fassen konnten — öffnet den Kryptowährungsmarkt für Dutzende von Millionen Einzelhandelskunden. Die beiden größten Bankengruppen des Landes starten den Handel mit digitalen Vermögenswerten direkt in den üblichen Bankanwendungen.
DZ Bank, zentrales Institut der Genossenschaftsbanken, hat bereits die Plattform meinKrypto in der VR Banking App gestartet — mit einer BaFin-Lizenz nach MiCA-Standards, die Ende 2025 erworben wurde. Kunden haben Zugang zu Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Cardano. Die Aufbewahrung der Vermögenswerte wird von der Börse Stuttgart Digital unter deutscher Aufsicht sichergestellt. Es gibt etwa 650 Genossenschaftsbanken im Land, und mehr als 71% von ihnen haben bereits Interesse an der Anbindung des Dienstes bekundet.
Parallel dazu bereitet die DekaBank ihre eigene Plattform für etwa 340 Sparkassen vor — der Start ist für Ende 2026 geplant, mit einer schrittweisen Anbindung. Die Sparkassen der Sparkassen-Gruppe betreuen etwa 50 Millionen Kunden — eine Bevölkerung, die mit Südkorea vergleichbar ist. Zusammen mit den Genossenschaftsbanken decken beide Netzwerke etwa 80 Millionen Kundenbeziehungen ab, bei einer Bevölkerung des Landes von 84 Millionen Menschen.
Die Kehrtwende ist bezeichnend: Noch vor vier Jahren lehnten die deutschen Sparkassen die Idee des Krypto-Handels für Einzelhandelskunden ab, mit Verweis auf «unkalkulierbare Risiken». Jetzt hat sich die Motivation geändert: Banken wollen keine jungen und technisch versierten Kunden an spezialisierte Plattformen verlieren. Ein Schlüsselvorteil bleibt das Vertrauen — eine Umfrage der Börse Stuttgart Digital ergab, dass 38% der Deutschen Krypto-Operationen über ihre Bank vertrauen, während nur 19% spezialisierten Plattformen vertrauen.
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